Der zweite Tag - Sebastian Markus (5. Teil)

05. September 2008

Als er in sein Büro kam, telefonierte Karin Hunger wie gewohnt mit Kunden.

Sebastian packte seine Sachen. Viel war nicht zu tun. Ein paar Kugelschreiber und einen Textmarker steckte Sebastian in seine Hosentaschen. Ein Rollcontainer, dessen Inhalt überwiegend aus zerlesenen Ausgaben von Happy Weekend und anderen Kontaktanzeigenblättern bestand, war zum Lift und von dort eine Etage tiefer in ein Büro zu rollen. Damit war der Umzug auch schon erledigt. Die IT würde Telefon und Netzwerk umleiten, fertig.

Sebastian behauptete vor sich und anderen, diese Kontaktmagazine für seine Arbeit zu benötigen, denn er wolle einen Überblick über den Markt behalten. Offiziell interessierte es ihn, welche Professionelle unter „privat“ inserierte und welche Private eventuell für eine Anzeige im Internet geworben werden könnte. Die verklebten Seiten mit den großformatigen Bildern erzählten allerdings eine etwas andere Geschichte von Sebastians Lektüre. Lies den Rest des Artikels »

Der zweite Tag - Sebastian Markus (4. Teil)

04. September 2008

Sebastian saß mit Anja, Sabine und Werner Tietz in Rolands Büro. Werner Tietz hatte gerade auf die Anweisung Rolands, die drei zu kündigen, die zur Betriebsversammlung eingeladen hatten, geantwortet, dass dies nicht so einfach ginge.

Alle versuchten, ein möglichst betroffenes Gesicht zu machen, denn Roland konnte diesen Affront der deutschen Gesetze gegen ihn und seine Firma nicht fassen. Es war eine Unverschämtheit! Lies den Rest des Artikels »

Der zweite Tag - Sebastian Markus (3. Teil)

02. September 2008

Als Sebastian ist Büro kam, war Anja schon da. Er war gleich doppelt überrascht, denn normalerweise kam Anja deutlich später als alle anderen. Ein Privileg, das ihr aus der körperlichen Nähe zur Firmenspitze erwuchs. Die zweite Überraschung war Anjas Unterhaltung mit Sabine Krautmann. Sebastian bemerkte einen ganz neuen Ton, der zwischen den beiden herrschte, und konnte nicht ganz einordnen, was er davon halten sollte. Von „Schatzilein“ war da die Rede, von „meine Liebe“ und „Freundin“. Zwar hatte Anja diese Worte schon häufiger für die Anrede Sabines benutzt, doch früher klangen sie eher spitz und ironisch. Heute hatten sie eine weiche, beinahe aufrichtige Tönung des Respektes und der Verbundenheit angenommen. Lies den Rest des Artikels »

Der zweite Tag - Sebastian Markus (2. Teil)

01. September 2008

Da Christina für eine Firma arbeitete, die auf dem Weg zur Werbeagentur lag, fuhren sie zusammen zur Arbeit. Schweigend. Kurz vor der Bushaltestelle, an der Sebastian Christina gewöhnlich aus dem Auto steigen ließ, fragte sie, ob es heute Abend auch wieder später werden würde.

„Ich weiß es noch nicht. Wir sind da an einem ganz großen Projekt dran.“

„Schreib mir eine SMS, wenn du es weißt, oder ruf mich kurz an. Gestern habe ich fast eine Stunde gewartet.“

„Wenn ich so einen Sekretärinnenjob hätte, wie du, wäre ich auch froh. Da könnte ich jeden Tag um Punkt fünf den Bleistift fallen lassen. Hast du eigentlich schon mitgekriegt, dass ich in der Werbung arbeite? Das ist ein Stressjob!“ Lies den Rest des Artikels »

Der zweite Tag - Sebastian Markus (1. Teil)

30. August 2008

Das Klingeln des Weckers riss ihn aus einem dumpfen Nichts. Traumlos war seine Nacht gewesen. Die Ereignisse des gestrigen Tages hatten keinen Eingang in Sebastians Schlaf gefunden, doch jetzt fielen sie im langsam wieder ein. Er hatte Anja gefickt, bis sie gequickt hat wie eine Sau, die gerade abgestochen wird. Er hatte es Anja richtig besorgt, garantiert besser als Roland es ihr jemals gemacht hatte oder jemals machen würde. Anja war eine richtige Drecksau, Lies den Rest des Artikels »

Der erste Tag - Anja Zandt (10. Teil)

19. August 2008

Anja seufzte, als sie neben Sebastian im Wagen Platz nahm.

„Es ist alles so unglaublich. Ein Betriebsrat! Wozu brauchen wir den? Wir müssen jetzt zusammenhalten und das unterbinden. Ich bin so froh, dass du der gleichen Meinung bist. Ach, Sebastian, das wird Roland schwer getroffen haben. So eine Attacke. Er fühlt sich, als hätte man ihm ein Messer in den Bauch gerammt. Und das von denjenigen, für die er sich immer einsetzt.“

Während Sebastian fuhr, erklärte ihm Anja was Roland dachte und fühlte. Sie verdeutlichte ihm mit tragödienreifer Mimik, wie sehr sie unter dem litt, was sie einen Vertrauensbruch der Kollegen nannte. Was für ein Verrat diese Einladung zur Betriebsversammlung war. Lies den Rest des Artikels »

Wie früher in der DDR

05. August 2008

Wenn man, wie ich, in zentraler Lage wohnt, hat man es nie weit. Zumindest nicht, wenn sich die zentrale Lage in einer mittelgroßen deutschen Großstadt befindet. In wirklichen Metropolen ist das anders, aber weil in Deutschland einstmals Hinz und Kunz König sein wollte, sind wir von richtigen Metropolen weitgehend verschont geblieben.

Ich habe mal einige Zeit in einer gewohnt, mit dem Ergebnis, dies nicht mehr für erstrebenswert zu halten. Es geht einem ganz schön auf den Sack, Lies den Rest des Artikels »

Der erste Tag - Anja Zandt (9. Teil)

17. Juli 2008

Mit noch etwas verwässerten Augen, aber einem Lächeln im Gesicht ging Anja zurück in ihr Büro. Sie wusste, was zu tun war. Sie würde kämpfen, mit allen Mitteln. Gemeinsam mit Roland und einer Koalition der Willigen, die noch zusammenzustellen war. Betriebsrat, so ein Quatsch!

In der Türrahmung ihres Büros stand Karin und unterhielt sich mit einer Kollegin. Das Thema war offensichtlich, ob sie zur Betriebsversammlung gehen würden. Es war beiden eine Selbstverständlichkeit, schließlich war es ihr gutes Recht. In ihrem aufgeregten Palaver, war das der erkennbare Konsens. Endlich hatten es drei Kollegen gewagt, die Initiative zu ergreifen. Der Schritt war schon längst überfällig. Es war wie eine Revolution, ein Schlag der Befreiung. Einfach nur geil! Lies den Rest des Artikels »

Der erste Tag - Anja Zandt (8. Teil)

15. Juli 2008

Anja schien es, als würde in der Agentur nun niemand mehr arbeiten. Die Grafiker und Grafikerinnen, die Webdesigner und ihre weiblichen Pendants, die Programmierinnen und ihre männlichen Kollegen, ganze Teams von Media-Beratern standen auf den Gängen und diskutierten. Eine Atmosphäre freudiger Erregung lag über der Firma. Und je mehr Freude sie sah, um so mehr fühlte sich Anja müde, unendlich müde.

Die Wut, die aus dieser Müdigkeit heraus plötzlich in ihr hoch stieg, war wie ein letztes Aufbäumen. Sie schrie Lies den Rest des Artikels »

Ein Land am Abkacken

15. Juli 2008

Goldene Zeiten sind für all jene angebrochen, die apokalyptische Stimmungen lieben, die von Weltuntergängen schwärmen, denn nun ist es so weit. Allerdings vollzieht sich der Untergang nicht mit einem lauten Knall. Es gibt auch keine richtige Schlacht, keinen Gerummse und Gewummse. Der Niedergang vollzieht sich im Stillen, noch zumindest.

Es sind die Vereinigten Staaten von Amerika die ihrem Untergang entgegen trudeln. Zwar können Staaten angeblich nicht pleite gehen, ob dieser Satz in Zeiten Lies den Rest des Artikels »