Archiv für Juni 2005

Schöne Worte

Donnerstag, 30. Juni 2005

Die deutsche Sprache ist sehr reich. Durch diesen Reichtum ist sie sehr differenzierend. Weil das so ist, muss man sich ab und an mal einen Überlick verschaffen, was das Deutsche denn so an ästhetischen Besonderheiten bietet. Daher wurde vom Deutschen Sprachrat unter der Federführung des Goethe-Instituts ein Wettbewerb veranstaltet, in dem das schönste deutsche Wort gesucht wurde. Das Ergebnis: Das schönste deutsche Wort ist „Habseligkeiten“. „Habseligkeiten“ ist wirklich ein sehr schönes Wort, denn es meint Besitztümer, die das zur Existenz Notwendige abdecken, jedoch den Besitz von Luxusgütern ausnimmt. Eine Wohnung, nicht zu groß, reinlich zwar doch ohne Ornament, mit Schrank, Regal, Bett, Tisch und Stuhl; Brot, Margarine, Kartoffeln, schlichte Nahrung von hohem Nährwert und Sättigungsgrad; Kleidung die bekleidet und nicht modischen Trends hinterherjagt, günstig im Preis, robust und dauerhaft. (more…)

Peak Oil

Donnerstag, 30. Juni 2005

Es gibt Theorien, die sind ausgesprochen interessant. Wenn sich solche Theorien dann auch noch als lebensnah erweisen, wird es gleich nochmal interessanter. Und wenn eine solche Theorie nicht nur einzelne Phänomene in den Blick nimmt, sondern das große Ganze berührt, dann wird es richtig thrilling. Die Peak Oil Theorie ist daher eine Theorie, der ich den Vorzug vor sämlichen Krimifilmen der Welt gebe, denn sie ist megaultraspannend. (more…)

Labern

Donnerstag, 30. Juni 2005

Sprache hat unter anderem die Qualität, Dinge und Sachverhalte benennen zu können. In diesem Zusammenhang spricht man gerne von „Schärfe“, was den einschneiden Charakter bestimmter Weisen des Sprechens treffend beschreibt. Mit scharfen Begriffen kann man sehr genau die Stellen markieren, an denen Sachverhalte noch nicht vollständig durchdacht wurden, an denen daher eine Fortsetzung und Intensivierung der Diskussion notwendig ist. Man kann mit Sprache aber auch ganz anders umgehen. Das Verb „labern“ zum Beispiel bezeichnet ein Sprechverhalten, das versucht, jede Form begrifflicher Schärfe zu vermeiden. (more…)

Geistige Eliten

Donnerstag, 30. Juni 2005

Wenn man nicht an Gott glaubt, ihn zumindest nicht für eine relevante, hilfreiche Größe in diesem Kosmos hält, dann ist es schön, in der Geschichte immer wieder Höhepunkte geistigen Schaffens zu erblicken, die das Institut Gott nicht brauchten, trotzdem aber von großer Um- und Weitsicht zeugten. Da ich mich bestenfalls zu agnostischen Positionen durchringen kann, empfinde ich es als Wohltat, in der Geschichte Persönlichkeiten zu finden, die auf Grund ihrer Intelligenz, Weisheit und Brillanz ein gewisses Maß an gottesfernem Trost spenden können, auch wenn dieser Trost in der Regel mit der Aufforderung einhergeht, am Selbst zu arbeiten, was sich, wenn man es denn mal auf sich genommen hat, als Mühsal erweist. Diese für mich bedeutsamen geistigen Größen hier namentlich aufzuzählen, möchte ich dem Leser ersparen, denn die Liste würde relativ lang. Auf persönliche Nachfrage bin ich jedoch gerne bereit, sie preiszugeben. (more…)

Langweilige Berufe. Zum Beispiel: Gott

Donnerstag, 30. Juni 2005

Es gibt verschiedene Aufgaben, die man Zeit seines Lebens übernehmen muss. Das ist schön und gestaltet das Leben auf vielfache Weise interessant und bisweilen sogar anregend. Es gibt aber Wesen, die haben nur eine Aufgabe und sind daher zu bedauern, weil sie sich ausschließlich auf einen Aspekt zu reduzieren haben. Gott ist so ein Wesen. Der einzige Zweck Gottes ist es, Regeln zu geben. Weil das Befolgen von Regeln nur dann reizvoll ist, wenn es eine Belohnung dafür gibt, haben die Götter, die diese Welt einst besiedelt haben mögen, sich unterschiedliche Belohnungen ausgedacht. Bei den einen wird man als Sternchen am Himmel festgepinnt, wenn man gottgefällig war, bei einem anderen kommt man in ein Paradies, wo es reichlich langweilig zugeht, weil man harfezupfend auf einer Wolke Lieder singen muss. Bei einem Dritten, von dem einige behaupten, er wäre identisch mit dem zweiten, sitzt man in einem grünen Tal mit einem Bach drin und hat mehrere Dutzend Jungfrauen um sich rum. Die meisten Leute denken, es handele sich um junge Jungfrauen, aber den ein oder anderen Märtyrer, der fickfreudig ins Paradies eingetreten ist, wird der Schlag getroffen haben, als er feststellen musste, (more…)

Christliche Werte

Donnerstag, 30. Juni 2005

Wenn man geboren wurde, ist das erst mal schön, denn man hat so ein gewisses Maß an Zeit, das man Leben nennt. Wäre man nicht geboren worden, hätte man auch diese Zeit nicht, man könnte sich dann auch keine Gedanken über den Sinn von Existenz machen und keine Fragen nach der Besonderheit der je eigenen Existenz stellen. Es ist also Grundvoraussetzung, geboren worden zu sein, um die meist in der Pubertät auftauchende Frage stellen zu können, wozu das denn nun gut sein solle, dieses Geboren-worden-sein. Diese Fragemöglichkeit ist relativ exklusiv, denn Leute, die nicht geboren worden sind, können sich wahrscheinlich nicht fragen, wozu dieses Nicht-geboren-worden-sein gut sein soll. Man sollte diese Frage daher auch nicht durch kurzes verbales Abwatschen abwürgen, denn sie ist vielfach ernst gemeint. Auf dem Weltmarkt der Kulturen gibt es daher auch ein großes Angebot an Klärungshilfen, die beim Herausfinden der Antwort auf die Frage nach dem Sinn von Existenz unterstützend einzugreifen versprechen, leider aber häufig in den Bereich der Spekulation abgleiten und mit dem Satz, „Das muss man halt glauben“ enden, womit sie sich als wenig hilfreich erweisen. (more…)

Du bist Deutschland - Verarsche in bester Tradition

Donnerstag, 30. Juni 2005

Werbung, das ist ihr Wesen, versucht Dinge zu verkaufen, die man nicht braucht. Bräuchte man sie, müsste man ja keine Werbung dafür machen. Produktanpreisungen machen mich daher grundsätzlich skeptisch. In einer aufgeklärten Gesellschaft dürfte es daher eigentlich gar keine Werbung geben, weil dem Aufgeklärten bei der Betrachtung von Werbung sofort „Vorsicht! Potentielle Verarsche!“ durch den Kopf schösse und er dann ganz genau hingucken würde. Dieses genauere Hingucken brächte im Großteil aller Fälle lediglich „Brauch ich nicht“, „Hab ich schon“, „Klaut mir nur meine Zeit“ oder „Was ist das denn für ein absurdes Verkaufsargument“ hervor. Das bedeutet, Werbung wäre in einer aufgeklärten Gesellschaft weitgehend überflüssig. Da es hier zu Lande allerdings unglaublich viel Werbung gibt, kann dies nur als Anzeichen für unseren unaufgeklärten Status genommen werden. (more…)