Ein Land am Abkacken
Goldene Zeiten sind für all jene angebrochen, die apokalyptische Stimmungen lieben, die von Weltuntergängen schwärmen, denn nun ist es so weit. Allerdings vollzieht sich der Untergang nicht mit einem lauten Knall. Es gibt auch keine richtige Schlacht, keinen Gerummse und Gewummse. Der Niedergang vollzieht sich im Stillen, noch zumindest.
Es sind die Vereinigten Staaten von Amerika die ihrem Untergang entgegen trudeln. Zwar können Staaten angeblich nicht pleite gehen, ob dieser Satz in Zeiten des Marktradikalismus immer noch wahr ist, wird sich am Beispiel der USA zeigen. Die sind nämlich nicht nur völlig pleite, sondern einfach komplett am Ende.
Hierzulande wird immer von Immobilienkrise gefaselt, doch was das faktisch heißt, weiß kaum jemand. Im Internet allerdings wird man fündig und kann sich ansehen, was das Abrutschen des amerikanischen Mittelstandes für die Betroffenen bedeutet.
Die Kritiker des Wohlfahrtsstaates und die Gläubigen des weltumspannenden Ordens der Unsichtbaren Hand werden die Situation der Amerikaner sofort zu loben wissen. Losgelöst von staatlicher Bevormundung findet der amerikanische Mittelstand zu seinen Wurzeln zurück und gibt sich von ursprünglichem Pioniergeist durchdrungen zügellos der neuen Freiheit hin – ohne Haus, im Auto schlafend, in Zeltstädten lebend, ganz auf sich gestellt und völlig unabhängig. Ohne all den unnötigen Zivilisationsballast wie Arbeitslosen- oder Rentenversicherung. Ist doch toll, oder? Das eben noch bewohnte Eigenheim steht leer, denn der Markt sagt, dass das so sein muss. Lieber lassen wir die Dinger vergammeln als Leute drin wohnen, die keine Kohle haben. Der Markt ist in seiner tiefen Weisheit einfach unergründlich.
Nun gut. Ich habe Amiland schon immer für ein Assi-Land gehalten, denn es schnorrte beständig bei anderen, gegen die es dann im Anschluss meist einen sinnlosen Krieg vom Zaun brach. Diese Zeiten scheinen sich dem Ende zu nähern und das ist nicht unbedingt schlecht. Schön wäre es, wenn es ohne einen weiteren Krieg abginge, doch ich fürchte, diese Hoffnung wird sich nicht erfüllen. Die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs Israels gegen den bösen Iran, wodurch sich Amiland aus Freundschaft zum Eingreifen zugunsten Israels verpflichtet fühlt, halte ich für relativ hoch. Inwieweit dieses Szenario schon jetzt feststeht, darüber werden die Geschichtsbücher eventuell mal berichten.
Spätestens ab dem Kriegseintritt ist es Herrn Bush wohl auch möglich von der Direktive NSPD 51 Gebrauch zu machen und noch ein bisschen länger im Amt zu verweilen. Die Direktive NSPD 51 ist sowas wie das amerikanische Ermächtigungsgesetz. Wer keine Lust auf den englischen Text hat, findet hier Erläuterungen. Ein weiterer Krieg wäre also nicht ganz und gar gegen Herrn Bushs Interessen, auch wenn er das behauptet.
Allerdings ist es auch möglich, dass eine Eskalation der diversen Krisen bereits hinreichend für die Ausrufung des nationalen Notstandes ist. Die USA kämpfen ja gerade an unglaublich vielen ökonomischen Fronten: Hypothekenkrise, Finanzmarktkrise, Ölkrise, Energiekrise, Dollarkrise, … Ob dieses Konglomerat an Verwerfungen ausreichend sein wird, Herrn Bush über seine Zeit hinaus im Amt zu halten, oder ob es dazu noch eines weiteren Krieges bedarf wird sich dann Ende des Jahres zeigen.
Dann allerdings wären die USA von den Entwicklungsländern, gegen die sie im Namen der Freiheit und Demokratie normalerweise Krieg führen, eigentlich nicht mehr zu unterscheiden.
Merkwürdig ist nur, wie wenig hier über die Vorgänge in Amiland berichtet wird. Ich gebe zu, der voraufgegangene Absatz klingt ein bisschen nach Verschwörungstheorie, aber die Direktive gibt es nunmal wirklich. Und der Bush-Administration traue ich das auch zu, schließlich finden die auch Guantanamo total freiheitlich-demokratisch.
Doch zurück nach Europa und Deutschland. Hiesige Verantwortliche behaupten, was da in Amiland passiert, sei für uns völlig unwichtig, denn die deutsche Wirtschaft wäre von der amerikanischen entkoppelt.
Das beruhigt ungemein. Es bleibt allerdings die Frage, wohin wir unseren ganzen Krempel dann exportieren. Schließlich sind wir Exportweltmeister und irgendjemand muss das Zeug doch kaufen. Ach so! Die Chinesen! Immer wenn irgendwelche Wirtschaftsfuzzies nicht mehr weiter wissen, kommen sie mit China. Es mag auch sein, dass China ganz viel von unseren Ingenieurwunderwerken kauft. Allerdings auch nur aus dem Grund, um damit zu produzieren und den Weltmarkt zu überschwemmen. Wenn die stärkste Volkswirtschaft allerdings zusammenbricht, wird auch China dahin nichts mehr exportieren können. Wer kauft den Krimskrams dann? Ach so! Die Ölländer wie Dubai und Saudi Arabien, weil die gerade dermaßen viel Reibach machen. Das Problem ist nur: Den Reibach, den die machen, machen sie in Dollar, denn ihre Währungen sind an den Dollar gekoppelt. Wenn der Dollar abkackt, dann sackt auch deren Währung in den Keller. Dumm gelaufen.
Es könnte also sein, dass diejenigen, die was von der entkoppelten deutschen Wirtschaft faseln, von Globalisierung keine Ahnung haben. Das tolle an der Globalisierung ist doch, wie alles mit allem zusammenhängt. Der freie Markt lässt angeblich alle am Wachstum teilhaben. Das war für das Wachstum zwar nicht wahr, für den Abschwung gilt es aber auf jeden Fall.
Und es kommt noch besser. Mit dieser Rezession ist wahrscheinlich die Globalisierung in ihrer jetzigen Form auch gegessen, denn es handelt sich im Gegensatz zu den Krisen zuvor um eine fundamentale Krise, die nicht gelöst werden kann. Sie bedeutet das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen. Eigentlich auch wieder spannend, oder?